Lufttemperatur und gefühlte Temperatur
Ein Thermometer misst die Temperatur der Luft. Dein Körper reagiert jedoch auf mehr als diesen Wert. Wind beeinflusst, wie schnell du Wärme verlierst, Luftfeuchtigkeit verändert die Verdunstung von Schweiß und Sonne führt deinem Körper zusätzliche Strahlungswärme zu. Deshalb können Lufttemperatur und gefühlte Temperatur in der Vorhersage voneinander abweichen.
Es gibt keine einzelne Berechnung, die für jede Wetterlage gilt. Bei Kälte verwenden Wetterdienste meist den Windchill, bei feuchtwarmer Witterung den Hitzeindex. Beide Werte schätzen die Wirkung des Wetters auf den menschlichen Körper. Sie messen keine andere Lufttemperatur.
Windchill
Deine Haut erwärmt eine dünne Luftschicht direkt am Körper. Bewegte Luft ersetzt sie durch kältere Luft, sodass unbedeckte Haut schneller Wärme verliert. Je stärker der Wind, desto rauer kann sich ein kalter Tag anfühlen. Deshalb ist neben der Temperatur auch die Windgeschwindigkeit wichtig.
Der übliche Windchill-Index ist für Lufttemperaturen bis etwa 10°C (50°F) und Windgeschwindigkeiten über ungefähr 5 km/h (3 mph) definiert. Das sind Grenzen der Formel, nicht der tatsächlichen Kühlwirkung. Auch bei mehr als 10°C kann Wind den Körper durch Wärmeabgabe und eine schnellere Verdunstung von Schweiß abkühlen. Dieser Effekt wird nur nicht mit dem üblichen Windchill-Index angegeben.
Lufttemperatur Windgeschwindigkeit Gefühlt 0°C (32°F) 10 km/h (6 mph) -3°C (27°F) 0°C (32°F) 30 km/h (19 mph) -7°C (19°F) -10°C (14°F) 10 km/h (6 mph) -15°C (5°F) -10°C (14°F) 30 km/h (19 mph) -20°C (-4°F)Die Tabelle zeigt gerundete Beispiele für unbedeckte Haut. Bei sehr niedrigen Windchill-Werten können Erfrierungen schnell entstehen. Angegebene Erfrierungszeiten sind jedoch Schätzwerte und keine persönliche Stoppuhr. Bedecke freie Haut, trage trockene Kleidung in mehreren Schichten und suche Schutz, wenn Haut taub, blass, wachsartig oder schmerzhaft wird. Auch ohne Erfrierung kann eine lebensgefährliche Unterkühlung auftreten, besonders bei langer Kälteexposition oder nasser Kleidung.
Hitzeindex
Schweiß kühlt den Körper, wenn er verdunstet. Bei hoher Luftfeuchtigkeit läuft diese Verdunstung langsamer ab und der Körper kann Wärme schlechter abgeben. Der Hitzeindex kombiniert Lufttemperatur und relative Luftfeuchtigkeit zu einer Schätzung der Wärmebelastung. Warum sich dieselbe Temperatur je nach Tag anders anfühlt, erklärt unser Beitrag über Luftfeuchtigkeit und Taupunkt.
Lufttemperatur Relative Luftfeuchtigkeit Gefühlt 30°C (86°F) 40% 30°C (86°F) 30°C (86°F) 70% 35°C (95°F) 35°C (95°F) 40% 37°C (99°F) 35°C (95°F) 70% 50°C (122°F)Der übliche Hitzeindex gilt für Schatten und leichten Wind. Direkte Sonne führt zusätzliche Strahlungswärme zu, die der Index nicht vollständig erfasst. Auch starker Wind kann bei sehr heißer, trockener Luft die Wärmebelastung erhöhen. Berücksichtige deshalb zusätzlich, ob du dich in der Sonne aufhältst, Sport treibst oder körperlich arbeitest.
Es gibt keinen festen Grenzwert, unterhalb dessen Hitze für alle Menschen ungefährlich ist. Das Risiko hängt von der gefühlten Temperatur, der Dauer und Intensität der Belastung sowie von Alter, Gesundheit, Medikamenten und Akklimatisierung ab. Bei längerer Hitze oder körperlicher Anstrengung können Hitzeerschöpfung und Hitzschlag auftreten. Bringe eine verwirrte, kollabierte oder bewusstlose Person an einen kühleren Ort und fordere sofort medizinische Hilfe an.
Warum der Unterschied wichtig ist
Ein kalter Tag mit -5°C (23°F) und starkem Wind kann sich auf unbedeckter Haut eher wie -15°C (5°F) anfühlen. Bei 32°C (90°F) und hoher Luftfeuchtigkeit kann der Hitzeindex nahe 42°C (108°F) liegen. Wer nur auf die Lufttemperatur schaut, kann beide Wetterlagen unterschätzen.
Bei schwachem Wind und einer Luftfeuchtigkeit, die die Verdunstung kaum bremst, können Lufttemperatur und gefühlte Temperatur nah beieinanderliegen. Keiner der Werte ist deshalb „echter“. Die Lufttemperatur beschreibt die Luft, die gefühlte Temperatur schätzt die Wirkung der Bedingungen auf deinen Körper.
Was der Wert nicht erfassen kann
Die gefühlte Temperatur beruht auf einem standardisierten Modell und kann nicht das Empfinden jedes Menschen abbilden. Auch deine konkrete Situation spielt eine Rolle:
- Sonne und Schatten: Die Lufttemperatur wird unter schattigen, gut belüfteten Bedingungen gemessen. Direkte Sonne führt zusätzliche Strahlungswärme zu.
- Kleidung: Windabweisende Außenschichten verringern den direkten Windeffekt. Bei Wärme kann luftdurchlässige Kleidung die Verdunstung unterstützen.
- Aktivität: Bewegung erzeugt Körperwärme. Sie kann an einem kühlen Tag angenehm sein, erhöht bei Hitze aber die Belastung.
- Nässe: Feuchte Haut und nasse Kleidung können den Wärmeverlust bei Kälte beschleunigen.
- Persönliche Faktoren: Alter, Gesundheitszustand, Medikamente und Akklimatisierung verändern das Hitze- und Kälterisiko.
Nutze die gefühlte Temperatur deshalb als Planungshilfe, nicht als exakte Vorhersage deines persönlichen Empfindens.
So zeigt Airpult die gefühlte Temperatur
Airpult zeigt die gefühlte Temperatur neben der vorhergesagten Lufttemperatur. Weichen beide Werte deutlich voneinander ab, prüfe Wind, Luftfeuchtigkeit und Wetterlage, bevor du Kleidung oder Aufenthaltsdauer im Freien planst. Auf der Seite Entdecken findest du Orte und ihre aktuelle Vorhersage.