Was ist ein Pollenwert?
Ein Pollenwert misst die Anzahl von Pollenkörnern in einem bestimmten Luftvolumen über einen Zeitraum von 24 Stunden, angegeben als Körner pro Kubikmeter (Körner/m³). Er zeigt dir, wie viel allergener Pollen in der Luft ist und ob Symptome wahrscheinlich sind.
Pollenwerte sind rückblickend: Sie zeigen, was gestern in der Luft war. Prognosen kombinieren diese Messwerte mit Wettervorhersagen und historischen Daten, um abzuschätzen, was als Nächstes kommt.
Die drei Pollentypen
Nicht jede Pollensaison ist gleich. Es gibt drei Hauptkategorien, die zu unterschiedlichen Jahreszeiten ihren Höhepunkt erreichen:
Baumpollen: Frühjahr (Februar–Mai)
Bäume sind die frühesten Pollenproduzenten. Häufige Allergene sind Birke, Erle, Olive, Esche und Platane. In wärmeren Regionen kann Baumpollen schon im Januar beginnen. Im Mittelmeerraum ist Olivenpollen ein wichtiges Frühjahrsallergen. In Nordeuropa dominiert Birke.
Gräserpollen: spätes Frühjahr bis Sommer (Mai–Juli)
Gräserpollen ist einer der häufigsten Auslöser von Heuschnupfen. Schon niedrige Werte können Symptome verursachen; Gräserpollen ist besonders wirksam. Wichtige Arten sind Timotheegras, Weidelgras und Wiesengras.
Kräuterpollen: Spätsommer bis Herbst (August–Oktober)
Ambrosia und Beifuß sind die dominanten Kräuterallergene. Eine einzelne Ambrosiapflanze kann in einer Saison bis zu eine Milliarde Pollenkörner produzieren, die mit dem Wind Hunderte Kilometer weit transportiert werden können.
Der genaue Zeitpunkt variiert je nach Region und Klima.
Pollenstufen
Pollenkonzentrationen werden anhand klinisch relevanter Schwellenwerte klassifiziert, die von der European Academy of Allergy and Clinical Immunology (EAACI) festgelegt und vom Copernicus Atmosphere Monitoring Service (CAMS) genutzt werden. Die Schwellenwerte unterscheiden sich nach Pollentyp, weil einige Arten deutlich stärker wirken als andere: Ein Gräserwert von 3 Körnern/m³ ist bereits klinisch relevant, während Baumpollen 10 Körner/m³ erreichen muss, damit die Saison als aktiv gilt.
| Schwelle | Bäume und Beifuß¹ (Körner/m³) | Gräser und Ambrosia (Körner/m³) |
|---|---|---|
| Saisonbeginn | ≥ 10 | ≥ 3 |
| Hauptsaison | ≥ 100 | ≥ 50 |
¹ Erle, Birke und Olive teilen diese Schwellen mit Beifuß. Obwohl Beifuß ein Kraut ist, gruppiert CAMS ihn mit Baumpollen, weil die Konzentrationsniveaus ähnlich sind.
Unterhalb der Schwelle für den Saisonbeginn sind Konzentrationen für die meisten Menschen eher unwahrscheinlich symptomauslösend. Wird die Spitzenschwelle erreicht, sind selbst Menschen mit leichten Empfindlichkeiten meist betroffen.
Wie Pollen erfasst wird
Die meisten Pollenmessstationen in Europa verwenden eine sogenannte Burkard-Falle (oder Hirst-Typ-Sammler). Dabei wird Luft durch einen schmalen Schlitz auf ein klebebeschichtetes Band gesaugt, das sich über sieben Tage langsam dreht. Das Band wird anschließend in Tagessegmente geschnitten, auf Objektträger montiert und unter dem Mikroskop ausgewertet, wo geschulte Fachkräfte Pollenkörner nach Typ identifizieren und zählen.
Der Prozess ist arbeitsintensiv, deshalb liegen die meisten Pollenwerte mit 1–2 Tagen Verzögerung vor. Neuere automatisierte Systeme mit digitaler Holografie und Bilderkennung, besonders in der Schweiz und in Deutschland, werden zunehmend eingesetzt und können nahezu in Echtzeit alle paar Stunden Messwerte liefern.
Das European Aeroallergen Network (EAN) koordiniert ein Netz von Messstationen in Europa, das die Beobachtungsdaten zur Validierung von Pollenprognosen bereitstellt.
Wie Prognosen erstellt werden
Der Copernicus Atmosphere Monitoring Service (CAMS) erstellt Vier-Tage-Pollenprognosen für sechs allergene Arten in Europa: Erle, Birke, Gräser, Beifuß, Olive und Ambrosia. Die Prognosen werden täglich mit stündlichen Konzentrationsdaten bei rund 10 km (6.2 mi) Auflösung aktualisiert und sind frei verfügbar.
CAMS kombiniert dafür mehrere Eingaben:
- Messdaten: Aktuelle und jüngste Pollenwerte von EAN-Bodenstationen zeigen, was tatsächlich in der Luft ist.
- Pflanzenphänologie: Das Wissen darüber, welche Pflanzen blühen und in welcher Phase ihres Zyklus sie sind, hilft vorherzusagen, wann die Pollenfreisetzung zu- oder abnimmt.
- Wettermodelle: Temperatur, Wind, Regen und Luftfeuchtigkeit beeinflussen direkt, wie viel Pollen in die Luft gelangt und wie weit er transportiert wird.
- Historische Muster: Mehrjährige Daten pro Region liefern Referenzwerte dafür, was zu einer bestimmten Jahreszeit zu erwarten ist.
- Atmosphärische Transportmodelle: Das SILAM-Modell (System for Integrated modeLling of Atmospheric composition) simuliert Freisetzung, Ausbreitung und Entfernung von Pollen über große Gebiete, einschließlich grenzüberschreitendem Transport aus Hunderten Kilometern Entfernung.
Wie Wetter Pollen beeinflusst
Wetter ist die wichtigste tägliche Variable für Pollenwerte:
Warm und trocken: Die Pollenfreisetzung steigt. Pflanzen geben bei warmem, trockenem Wetter aktiv Pollen ab. Das sind die schwierigsten Tage für Allergikerinnen und Allergiker.
Wind: Verteilt Pollen über große Entfernungen. An trockenen, windigen Tagen sind die Konzentrationen in der Luft am höchsten.
Regen: Wäscht Pollen aus der Luft. Während und direkt nach Niederschlag sinken die Werte meist. Am Tag danach gibt es jedoch oft einen Anstieg, weil Pflanzen bei trockeneren Bedingungen erneut Pollen freisetzen.
Luftfeuchtigkeit: Hohe Feuchtigkeit macht Pollenkörner schwerer, sodass sie nicht so weit fliegen. Sehr trockene Luft hält Pollen länger in der Luft.
Gewitter: Ein Sonderfall. Kalte Fallwinde konzentrieren Pollen bodennah, und Feuchtigkeit kann Pollenkörner durch osmotischen Schock in winzige Fragmente zerlegen, die tief in die Lunge eindringen. Das kann selbst bei Menschen ohne typisches Asthma schwere Reaktionen auslösen, ein Phänomen, das als „Gewitterasthma“ bekannt ist.
Tipps für Allergikerinnen und Allergiker
- Prüfe die Prognose vor der Planung von Zeit im Freien.
- Halte Fenster geschlossen an Tagen mit hohen Pollenwerten. Nutze Klimaanlage im Umluftbetrieb.
- Dusche vor dem Schlafengehen, um Pollen aus Haaren und von der Haut zu entfernen.
- Trockne Wäsche nicht draußen während der Pollensaison; Pollen setzt sich im Stoff fest.
- Trage Sonnenbrille draußen, um Pollen von den Augen fernzuhalten.
- Beginne Medikamente frühzeitig: Antihistaminika und Nasensprays wirken am besten, wenn sie 2–4 Wochen vor Beginn deiner Saison gestartet werden.
- Spüle die Nase mit Kochsalzlösung, um Pollen nach dem Aufenthalt im Freien auszuspülen.
Wie Airpult Pollen zeigt
Bei Airpult werden Pollendaten auf der Vorhersageseite zusammen mit der Luftqualität angezeigt. Du siehst den aktuellen Wert für alle drei Pollentypen: Baum, Gras und Kräuter. Um einen Ort zu finden, nutze die Entdecken-Seite, suche nach einer Stadt oder einem Ort und springe direkt zur Vorhersage inklusive aktueller Pollenwerte.