Eine Hitzewelle belastet den Körper über heiße Tage und Nächte hinweg. Beachte örtliche Warnungen, prüfe den Stundenverlauf und den Tiefstwert der Nacht und organisiere rechtzeitig Zugang zu einem kühleren Ort.
Was ist eine Hitzewelle?
Eine Hitzewelle ist eine mehrtägige Phase mit ungewöhnlich hohen Temperaturen, die häufig auch in der Nacht anhalten. Einen weltweit gültigen Grenzwert gibt es nicht. Was in einer Region zum normalen Sommer gehört, kann in einer anderen bereits außergewöhnlich sein.
Wetterdienste orientieren sich deshalb an den Bedingungen vor Ort. Sie vergleichen die erwarteten Höchst- und Tiefsttemperaturen mit regionalen Schwellenwerten, berücksichtigen die Jahreszeit oder verwenden Kennzahlen, in die auch die Luftfeuchtigkeit einfließt. Gesundheitsbehörden können andere Kriterien nutzen, denn die Belastung hängt nicht nur vom Thermometer ab. Dauer, warme Nächte, Wohnsituation, Zugang zu kühlen Räumen, Alter, Gesundheit und die Gewöhnung an Hitze spielen ebenfalls eine Rolle.
Amtliche Hitzewarnungen beruhen auf örtlichen Kriterien und können erwartete gesundheitliche Folgen einbeziehen. Lies die Warnung zusammen mit den Hinweisen der örtlichen Gesundheitsbehörden. Auch unterhalb einer Warnschwelle kann Hitze gefährlich werden, besonders bei körperlicher Arbeit, Sport, Krankheit oder langem Aufenthalt im Freien.
Wie entsteht eine Hitzewelle?
Viele Hitzewellen entwickeln sich unter einem beständigen Hochdruckgebiet in mittleren und höheren Luftschichten. Unter dem Hoch sinkt Luft ab und erwärmt sich durch die zunehmende Kompression. Gleichzeitig wird die aufsteigende Bewegung gebremst, die für Wolken und Regen nötig ist. Ein langsames oder blockiertes Strömungsmuster hält die heiße Luftmasse über mehrere Tage in derselben Region.
Mehrere Vorgänge können die Hitze verstärken:
- Zufuhr sehr warmer Luft bringt Hitze aus niedrigeren Breiten oder trockenen Regionen im Landesinneren.
- Trockene Böden geben weniger Wasser an die Atmosphäre ab. Dadurch fließt ein größerer Teil der Sonnenenergie in die Erwärmung von Boden und Luft.
- Schwacher Wind bringt kaum kühlere Luft heran und sorgt an der Oberfläche für weniger Erleichterung.
- Wolkenarmer Himmel verstärkt tagsüber die Sonneneinstrahlung. Wolken können allerdings auch die Nächte wärmer halten.
- Blockierende Wetterlagen lenken andere Druckgebiete und Fronten über mehrere Tage um die heiße Region herum.
Der Ausdruck Hitzeglocke beschreibt ein solches großräumiges Muster aus beständigem Hochdruck und angestauter Wärme. Es handelt sich dabei nicht um eine eigene Sturmform mit einer scharf abgegrenzten Kante.
Warum die Definition vom Ort abhängt
Das Risiko hängt vom örtlichen Klima und von der Vorbereitung der Bevölkerung ab. In einer sonst kühlen Region speichern Wohnhäuser die Wärme möglicherweise besonders lange und verfügen nur selten über Klimatisierung. Wer hohe Temperaturen nicht gewohnt ist, kann zudem früher belastet sein als Menschen in einem dauerhaft heißen Klima.
Deshalb gelten je nach Region unterschiedliche Warnschwellen. Manche Systeme richten sich hauptsächlich nach der Tageshöchsttemperatur. Andere berücksichtigen auch nächtliche Tiefstwerte, Luftfeuchtigkeit oder die erwarteten gesundheitlichen Auswirkungen. Selbst die erforderliche Dauer kann variieren.
Vergleiche daher nicht nur die Temperaturen verschiedener Städte, sondern beachte die Warnungen für deinen Standort. Eine Wetterkarte zeigt die erwartete Hitze. Das Warnsystem bewertet zusätzlich die örtliche Gefährdung.
Warum warme Nächte gefährlich sind
Meist steht der Tageshöchstwert im Mittelpunkt. Der nächtliche Tiefstwert kann für die Belastung jedoch ebenso wichtig sein. In einer kühleren Nacht geben Körper, Gebäude, Straßen und Plätze einen Teil der tagsüber gespeicherten Wärme ab. Bleibt die Temperatur hoch, fällt diese Erholungsphase aus.
Mehrere heiße Tage und Nächte hintereinander erzeugen eine zunehmende Belastung. Innenräume erwärmen sich weiter, besonders in Dachwohnungen, schlecht gedämmten Häusern und Zimmern mit direkter Nachmittagssonne. Schlafmangel verstärkt die Erschöpfung und erschwert es, frühe Anzeichen einer hitzebedingten Erkrankung zu erkennen.
Prüfe deshalb neben dem Tagesmaximum auch die stündliche Vorhersage und den Tiefstwert der kommenden Nacht. Kühlt deine Wohnung nach Sonnenuntergang nicht mehr ab, solltest du rechtzeitig einen Aufenthalt an einem kühleren Ort einplanen.
Luftfeuchtigkeit, Sonne und Hitzebelastung
Der Körper gibt Wärme unter anderem durch die Verdunstung von Schweiß ab. Bei hoher Luftfeuchtigkeit verdunstet Schweiß langsamer. Der Körper muss dann stärker arbeiten, um seine Temperatur im sicheren Bereich zu halten. Ein schwüler Tag kann deshalb belastender sein als ein heißerer, aber trockener Tag.
Der Hitzeindex verbindet Lufttemperatur und relative Luftfeuchtigkeit. Er schätzt ab, wie heiß es sich für einen Menschen im Schatten und bei schwachem Wind anfühlt. Direkte Sonne, schwere Kleidung, körperliche Anstrengung und bestimmte Medikamente können die tatsächliche Belastung über diesen Wert hinaus erhöhen. Mehr zu den verschiedenen Berechnungen findest du unter Gefühlte Temperatur erklärt.
Für körperliche Arbeit oder intensiven Sport in direkter Sonne eignet sich häufig die Feuchtkugel-Globaltemperatur, kurz WBGT. Sie berücksichtigt Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Wind, Sonneneinstrahlung und Bewölkung. Hitzeindex und WBGT verwenden unterschiedliche Skalen. Ihre Werte lassen sich daher nicht wie zwei normale Temperaturmessungen vergleichen.
- Lufttemperatur: die standardisierte Messgröße im Schatten, die eine Wettervorhersage als Grundwert nutzt.
- Hitzeindex: Temperatur und relative Luftfeuchtigkeit für die allgemeine Hitzebelastung im Schatten bei schwachem Wind.
- WBGT: Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Wind und Sonneneinstrahlung für Arbeit oder Sport, besonders in direkter Sonne.
Die relative Luftfeuchtigkeit verändert sich mit der Temperatur und reicht als alleinige Angabe nicht aus. Unter Luftfeuchtigkeit und Taupunkt erklärt erfährst du, wie beide Werte den Wasserdampf in der Luft beschreiben.
Warum Städte länger heiß bleiben
Dicht bebaute Gebiete speichern häufig mehr Wärme als das ländliche Umland. Dunkle Dächer und Straßen nehmen Sonnenenergie auf, Gebäude bremsen den Luftaustausch und es gibt weniger Schatten sowie Verdunstungskühlung durch Pflanzen. Beton, Ziegel und Asphalt geben die gespeicherte Wärme nach Sonnenuntergang langsam wieder ab.
Diese städtische Wärmeinsel ist nicht überall gleich ausgeprägt. Ein schattiger Park kann deutlich kühler sein als ein ungeschützter Platz. Eine Dachgeschosswohnung bleibt dagegen oft noch heiß, wenn die Außentemperatur bereits sinkt. Abwärme von Verkehr, Industrie und Klimaanlagen verstärkt den örtlichen Effekt.
Während einer Hitzewelle ist vor allem die zusätzliche Wärme in der Nacht problematisch, weil weniger Zeit zur Erholung bleibt. Selbst innerhalb desselben Vorhersagegebiets können die Bedingungen stark voneinander abweichen.
Hitzewellen und Klimawandel
Natürliche Wetterlagen bestimmen weiterhin, wo und wann eine einzelne Hitzewelle entsteht. Durch die Erwärmung des Klimas liegt das Ausgangsniveau jedoch höher. Extreme Hitze wird dadurch wahrscheinlicher, und manche Ereignisse können Temperaturen erreichen, die in einem kühleren Klima seltener gewesen wären.
Wie stark sich das Risiko verändert, hängt von der Region ab. Auch Bodenfeuchtigkeit, Luftfeuchtigkeit, Stadtentwicklung und Anpassungsmaßnahmen beeinflussen die Folgen. Klimatrends beschreiben die Veränderung über viele Ereignisse hinweg. Für einen bestimmten Ort bleibt die aktuelle Wettervorhersage entscheidend.
Wie Hitze den Körper belastet
Der Körper nimmt Wärme aus seiner Umgebung und durch die eigene Aktivität auf. Er gibt sie über Wärmestrahlung, bewegte Luft und verdunstenden Schweiß wieder ab. Kann er nicht mehr genug Wärme verlieren, steigt die Belastung.
Hitze kann Erkrankungen von Herz, Lunge, Nieren und Stoffwechsel sowie psychische Krankheiten verschlimmern. Flüssigkeitsmangel belastet zusätzlich Kreislauf und Nieren. Mit der Dauer und der körperlichen Anstrengung wächst das Risiko. Auch junge und trainierte Menschen können bei schwerer Arbeit oder Sport eine ernste hitzebedingte Erkrankung entwickeln.
Hitzeerschöpfung
Mögliche Anzeichen sind starkes Schwitzen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel, Schwäche, starker Durst, Krämpfe sowie kühle oder feuchte Haut. Beende die Aktivität, bringe die betroffene Person an einen kühleren Ort, lockere überflüssige Kleidung und kühle die Haut. Ist die Person vollständig ansprechbar und kann sicher schlucken, kann sie kleine Schlucke Wasser trinken.
Hole medizinischen Rat ein, wenn die Beschwerden stärker werden, nicht nachlassen oder Erbrechen hinzukommt. Örtliche Gesundheitsinformationen haben Vorrang, da sich Erste-Hilfe-Empfehlungen je nach Zustand unterscheiden können.
Hitzschlag
Ein Hitzschlag ist ein medizinischer Notfall. Verwirrtheit, undeutliche Sprache, Krampfanfälle, Ohnmacht, Bewusstlosigkeit oder auffällige Verhaltensänderungen sind entscheidende Warnzeichen. Die Haut kann heiß und trocken sein, die Person kann aber auch stark schwitzen. Schweiß schließt einen Hitzschlag nicht aus.
Rufe sofort den Rettungsdienst und beginne mit der Kühlung, während du auf Hilfe wartest. Bringe die Person in den Schatten oder einen kühlen Raum, entferne überflüssige Kleidung, befeuchte die Haut und nutze kalte nasse Tücher, Luftzug oder ein kühles Bad, sofern verfügbar. Gib einer bewusstlosen oder verwirrten Person nichts zu trinken.
Wer besonders gefährdet ist
Hitze kann jeden Menschen treffen. Ein erhöhtes Risiko haben unter anderem:
- ältere Menschen, Säuglinge und kleine Kinder;
- Schwangere;
- Menschen mit Herz-, Lungen-, Nieren-, Stoffwechsel- oder psychischen Erkrankungen;
- Menschen, die Medikamente mit Einfluss auf Schwitzen, Kreislauf, Aufmerksamkeit oder Flüssigkeitshaushalt einnehmen;
- Beschäftigte im Freien, Sportlerinnen und Sportler sowie alle Menschen bei schwerer körperlicher Belastung;
- alleinlebende oder in ihrer Beweglichkeit eingeschränkte Personen;
- Menschen ohne verlässlichen Zugang zu einem kühlen Raum;
- Bewohnerinnen und Bewohner heißer Dachwohnungen oder dicht bebauter Viertel;
- Menschen, die sich noch nicht an die Hitze gewöhnt haben.
Setze verschriebene Medikamente nicht eigenständig ab und ändere eine medizinisch angeordnete Trinkmenge nicht ohne fachlichen Rat. In Arztpraxis oder Apotheke erfährst du, ob Hitze die Wirkung oder Lagerung eines Medikaments beeinflusst.
So schützt du dich bei extremer Hitze
- Beachte örtliche Warnungen. Prüfe Vorhersage und Hinweise von Wetterdienst, Gesundheitsbehörden und Katastrophenschutz.
- Nutze die kühlsten Stunden. Verlege Sport und schwere Arbeit, wenn möglich, und mache häufigere Pausen im Schatten oder in einem kühlen Raum.
- Trinke regelmäßig. Für die meisten Menschen ist Wasser geeignet. Halte dich an ärztliche Vorgaben, wenn du nur eine begrenzte Menge trinken darfst.
- Kühle den Körper. Kühle Duschen, feuchte Tücher, leichte Kleidung und ein kühler Raum helfen bei der Wärmeabgabe.
- Begrenze die Wärme in der Wohnung. Verschatte sonnenzugewandte Fenster tagsüber. Öffne sie, wenn es draußen kühler ist, und schließe sie wieder, sobald die Außenluft wärmer wird.
- Nutze Ventilatoren mit Bedacht. Sie bewegen Luft, senken aber nicht die Raumtemperatur und verhindern bei sehr heißer Raumluft möglicherweise keine hitzebedingte Erkrankung. Beachte die örtlichen Gesundheitshinweise und suche einen klimatisierten oder ausgewiesenen kühlen Ort auf, wenn deine Wohnung heiß bleibt.
- Achte auf andere. Melde dich bei Angehörigen, Nachbarn und Freunden, die Hilfe auf dem Weg zu einem kühlen Ort brauchen könnten.
- Lass niemanden im geparkten Fahrzeug zurück. Der Innenraum kann sehr schnell gefährlich heiß werden, auch bei einem teilweise geöffneten Fenster.
- Schütze dich vor Sonne. Suche Schatten, trage geeignete Kleidung und prüfe den UV-Index, wenn du ins Freie musst.
Hitze kann außerdem mit stehender Luft, Ozon oder Rauch zusammentreffen. Prüfe vor anstrengenden Aktivitäten im Freien den Luftqualitätsindex, besonders bei Herz- oder Atemwegserkrankungen.
Wie Hitzewellen vorhergesagt werden
Wettermodelle berechnen die Stärke und Zugbahn von Hochdruckgebieten, herangeführte Luftmassen, Bewölkung, Bodenfeuchte, Wind, Luftfeuchtigkeit und nächtliche Temperaturen. Wir vergleichen die erwarteten Bedingungen mit dem örtlichen Klima. Die zuständigen Behörden wenden ihre eigenen Wetter- und Gesundheitskriterien für Warnungen an.
Die Vorhersage gilt als verlässlicher, wenn mehrere Modellläufe dasselbe beständige Muster zeigen. Kleine Änderungen bei Bewölkung, Windrichtung oder Lage des Hochs können den Schwerpunkt der Hitze dennoch verschieben. Je näher das Ereignis rückt und je mehr Beobachtungen vorliegen, desto genauer lässt sich die Lage eingrenzen.
Betrachte nicht nur einen einzelnen Höchstwert. Stündliche Temperatur, nächtliches Minimum, Luftfeuchtigkeit, gefühlte Temperatur, Wind, UV-Index und Luftqualität ergeben zusammen ein besseres Bild der Belastung.
Hitzebedingungen mit Airpult prüfen
Unsere Vorhersageseite zeigt modellierte Lufttemperatur und gefühlte Temperatur, den stündlichen Temperaturverlauf, Höchst- und Tiefstwert jedes lokalen Tages sowie Luftfeuchtigkeit, Wind und den aktuellen UV-Index. Die Luftqualität erscheint in einer eigenen Karte, wenn Daten und Kontozugriff verfügbar sind.
Am Stundenverlauf und am nächtlichen Tiefstwert erkennst du, ob die Vorhersage Abkühlung bringt. Airpult vergibt keine eigene Hitzewellen-Bezeichnung und ersetzt weder amtliche Hitzewarnungen noch gesundheitliche Hinweise. Über Entdecken kannst du aktuelle Bedingungen und Vorhersage für einen Ort prüfen.