Was ist Sichtweite?
Sichtweite ist die größte Entfernung, in der du Objekte noch klar sehen und erkennen kannst. In der Meteorologie wird sie präziser als Meteorological Optical Range (MOR) definiert: die Entfernung, über die ein Lichtstrahl durch Partikel und Tröpfchen in der Luft auf 5% seiner ursprünglichen Intensität abgeschwächt wird.
Wenn eine Vorhersage „Sichtweite 2 km“ angibt, heißt das ungefähr, dass darüber hinaus die Atmosphäre die Sicht deutlich verschlechtert. Gemessen wird in etwa auf Augenhöhe und für einen konkreten Ort; die Bedingungen können sich schon über kurze Distanz ändern.
Was beeinflusst die Sichtweite?
Alles, was in der Luft schwebt und Licht streut oder absorbiert, reduziert die Sichtweite:
- Nebel: Die häufigste Ursache für sehr geringe Sichtweiten. Winzige Wassertröpfchen nahe der Oberfläche können die Sicht von einigen Hundert Metern bis nahezu null reduzieren.
- Dunst (Mist): Ein dünnerer Schleier aus Wassertröpfchen, der die Sicht reduziert, aber oberhalb der 1-km-Nebelschwelle bleibt.
- Regen: Leichter Regen wirkt nur moderat. Starker Regen und Gewitter können die Sicht auf 1–3 km senken, Extremniederschläge auch unter 1 km.
- Schnee: Fallender Schnee streut Licht stark. Schneestürme mit verwehtem Schnee können die Sichtweite nahezu auf null drücken.
- Dunst (Haze): Feine trockene Partikel wie Staub, Rauch oder Luftschadstoffe in der Luft. Häufig in Städten und bei Waldbränden.
- Luftfeuchtigkeit: Auch ohne Nebel lässt hohe Luftfeuchtigkeit Schwebstoffe aufquellen, wodurch mehr Licht gestreut wird und die Sicht sinkt.
Sichtkategorien
Die international vereinbarte Grenze zwischen Nebel und Mist liegt bei 1 km. Darunter ist es offiziell Nebel. Über 1 km, aber unter etwa 2 km bei vorhandenen Wassertröpfchen, spricht man von Mist. Darüber wird Sichtweite in Vorhersagen häufig als schlecht, mäßig oder gut beschrieben, wobei die exakten Grenzen je nach Wetterdienst und Region variieren.
Als grobe Orientierung: unter 4 km gilt meist als schlecht, über 10 km als gut, dazwischen als mäßig.
Wie Nebel entsteht
Nebel entsteht, wenn bodennahe Luft bis zum Taupunkt abkühlt und Wasserdampf zu winzigen schwebenden Tröpfchen kondensiert. Die häufigsten Arten:
- Strahlungsnebel: Entsteht in klaren, windschwachen Nächten, wenn der Boden Wärme verliert. Häufig in Tälern und Senken, löst sich meist nach Sonnenaufgang auf.
- Advektionsnebel: Warme, feuchte Luft strömt über eine kältere Oberfläche, etwa über kaltes Meerwasser. Kann Tag und Nacht anhalten und große Flächen abdecken.
- Hangnebel (Upslope): Feuchte Luft wird am Gelände nach oben gedrückt und kühlt bis zur Sättigung ab. Häufig in Gebirgsregionen.
- Dampfnebel: Kalte Luft strömt über deutlich wärmeres Wasser, wodurch schnelle Verdunstung und Kondensation entstehen. Häufig über Seen und Flüssen im Herbst.
Wie Sichtweite gemessen wird
Moderne Wetterstationen messen Sichtweite automatisch mit optischen Sensoren. Die zwei wichtigsten Typen:
- Transmissometer: Senden einen Lichtstrahl über eine feste Strecke zu einem Empfänger. Wie viel Licht ankommt, zeigt, wie stark die Atmosphäre absorbiert und streut. Sehr präzise auf kurzer Distanz und an Flughäfen weit verbreitet für die Pistensichtweite.
- Vorwärtsstreusensoren: Senden einen Lichtstrahl aus, während ein seitlich angeordneter Sensor misst, wie viel Licht von Partikeln in der Luft nach vorne gestreut wird. Sie funktionieren gut über einen breiten Sichtweitenbereich und sind kompakter zu installieren.
Historisch schätzten geschulte Beobachter die Sichtweite anhand bekannter Landmarken in bekannten Entfernungen, etwa ein Kirchturm bei 3 km oder ein Hügel bei 10 km. Einige bemannte Stationen nutzen diese Methode weiterhin ergänzend.
Warum Sichtweite wichtig ist
- Straßenverkehr: Als deutlich eingeschränkt gilt Sicht meist dann, wenn du nicht weiter als etwa 100 Meter sehen kannst. Du solltest Licht einschalten, Tempo reduzieren und mehr Abstand halten. Bei dichtem Nebel ist Abblendlicht sicherer, weil Fernlicht an Tröpfchen reflektiert und blendet.
- Luftfahrt: Pilotinnen und Piloten brauchen präzise Sichtweitenwerte, um zu entscheiden, ob visuelle Landung möglich ist oder Instrumentenanflug nötig wird. Flughäfen haben strenge Mindestwerte für Start und Landung.
- Schifffahrt: Bei eingeschränkter Sicht müssen Schiffe mit sicherer Geschwindigkeit fahren und Radar sowie Schallsignale nutzen. Nebel auf See ist besonders gefährlich, weil Referenzpunkte fehlen.
- Luftqualität: Anhaltend schlechte Sicht bei trockenen Bedingungen ist oft ein Hinweis auf hohe Feinstaubbelastung.
Wie Airpult Sichtweite zeigt
Bei Airpult wird die Sichtweite auf der Vorhersageseite zusammen mit anderen Wetterbedingungen angezeigt. Nutze die Seite Entdecken, um jeden Ort zu suchen und die Sichtweitenvorhersage zu prüfen.